Visa Appointment in der US-Botschaft

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Gestern war es soweit, ich durfte meinen Interview-Termin in der US-Botschaft wahrnehmen. Man, hat das gedauert, ein Bericht über die Terminvereinbarung ist hier zu finden.


Alles ist verboten, nichts darf mitgeführt werden und genau hier merkt man, wie abhängig man sich von den kleinen digitalen Geräten gemacht hat.

Ich musste nach Berlin-Dahlem, in die Clayallee. Kein Problem, die U-Bahn fährt bis Oskar-Helene-Heim und von dort sind es ein paar Minuten zu Fuß. Ein Ticket hatte ich in Papierform, fast war ich versucht, dieses über die BVG-App zu buchen aber ich realisierte zum Glück noch meinen Fehler rechtzeitig.

Ein komplett analoger Trip lag da vor mir. Ich nahm das kleinste Täschchen, welches ich fand, stopfte meine Unterlagen zu A5 halbiert hinein, denn ich habe gelesen, dass Rucksäcke in der Größe von DayPacks nicht erlaubt waren.

Was soll ich sagen. Ich saß in der S-Bahn und vermisste mein iPad nur, weil ich diesen Bericht nicht schon auf der Fahrt beginnen konnte. Musik hören war auch nicht, schon ungewöhnlich! Aber was mir richtig negativ auffiel, die Verfügbarkeit der Uhrzeit. Ich war überrascht, wie wenig Uhren auf den Bahnhöfen verteilt sind!

Ankunft am U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim. Ich war gut in der Zeit, immerhin fuhr die S5 heute planmäßig. Fußmarsch zur Botschaft. Die Treppe draußen war meanderförmig abgeflattert und ein Herr hielt mich auf. Ich dürfe nicht weiter, wegen meiner Tasche! Dieses kleine Teil, A5-Größe, welches kleiner als das Rucksack-DayPack war. Problem! Aber eine Lösung wurde auch gleich kommuniziert. Der Kiosk im U-Bahnhof, der macht Taschenaufbewahrung. Ich dachte ich höre nicht richtig. Aber wirklich! Der Kiosk, nimmt für schlappe 5.-€ die Tasche in Gewahrsam. Man bekommt ein handgeschriebenes PostIt, mit ‘ner Nummer drauf. Gutes Geschäftsmodell und bestimmt steuerfrei!

Täschchen zum Kiosk und ich wieder zurück zum Konsulat, in der Hand meine Unterlagen, mein Impfzertifikat (hatte keinen digitalen Code dabei) und meinen Reisepass. In der Jackentasche steckte noch der Autoschlüssel und ich war froh, dass ich zu Hause geistesgegenwärtig den AirTag entfernt hatte, denn der hätte bestimmt nicht die Security passieren dürfen.

Die Security ist hier gründlicher, als am Flughafen. Sehr intensiv wurde alles abgesucht, abgetastet und mit Detektoren versucht ausfindig zu machen. Ich war clean! Der Autoschlüssel wurde genau in Augenschein genommen, erhielt aber auch die Genehmigung in Haus gebracht zu werden. Man bin ich froh, dass der Metallkram, die Kirschner-Drähte, die mir in der Charité im Mai ins Becken genagelt wurden, den Metall-Detektor nicht aktiviert haben. Das hätte wohl einige Erklärungen erfordert.

Wir, eine Gruppe von fünf Besuchern, durften passieren. Wir durchliefen mehrere automatische Türen und befanden uns dann in einem Raum mit mehreren Schaltern.

Was jetzt kam, enttäuschte mich etwas. Das Ausfüllen der Anträge hat definitiv länger gedauert, als das Anmelden an Schalter 1, das Interview und die Wartezeit.

Erstmal habe ich ca. vier Tage vor dem Termin per e-mail die Aufforderung erhalten, eine neue Application ID zu erstellen. Diese war verpflichtend, da die alte (vom 15.02.2020!) wohl nicht mehr gut war. Zum Glück hatte ich meine Mails gründlich gecheckt. Dann stand immer wieder der Hinweis, dass Passbilder nicht älter als 6 Monate benötigt werden. Das ignorierte ich und nahm genau die in Papierform mit, die ich auch mit dem Antrag vor fast 2 Jahren hochgeladen hatte. So stand ich nun an Schalter 1.

Hier wurde auf die Außenhülle meines Passes ein Aufkleber, der die gesamte Rückseite bedeckt geklebt. Dieser zeigt einen Bar-Code und meinen Namen. Der Aufkleber ist im Nachhinein nur entfernbar, wenn man bereit ist, mit der verbleibenden Klebeschicht zu leben, welche sofort eine unablösbare Verbindung mit dem Material der Reisepassumhüllung eingegangen ist. Mein Fazit: bleibt drauf!

Schalter Nummer 1 = geschafft, Reisepass verunstaltet, aber näher am Ziel.

Nach max. fünf Minuten Wartezeit, dann war ich am nächsten Schalter. Netter Herr hinter dem Glas und ein Kommunikationssystem, welches eine klare Übertragung gewährleistete (wer schon mal am Alex versucht hat eine Fahrkarte am Schalter zu kaufen, weiß was ich meine, hier sollte man Gebärdensprache beherrschen).

DAS Interview! Was hatte ich mir darunter vorgestellt. Nein, kein Verhör, aber doch gezielte Nachfragen. Frage an mich: Warum ich dieses Visum benötigte. Meine Antwort: Habe es vor 2 Jahren beantragt um die Tochter auf ein selbstorganisiertes Highschool Year zu begleiten. Nun wäre der Sohn im entsprechenden mood sowas machen zu wollen. Frage: Warum ich keine ESTA beantrage. Antwort: Die gilt max. 3 Monate pro Einreise… Und damit hatte ich mich qualifiziert. Keine Nachfrage, welche Schule wir ausgesucht haben, wie wir unseren Lebensunterhalt bestreiten wollen, ob ich vorhabe ein Attentat zu verüben…gar nichts. Die Befragungen an der Immigration bei Einreise in die USA sind umfangreicher. Und zum Thema Passbilder, die wurden auch nicht nachgefragt.

Ich ließ meinen Pass dort und machte mich jetzt wieder analog gen Heimat. Nun hatte ich nicht mal mehr ein Ausweisdokument, denn der Pass war ja zurückgeblieben.


Nachtrag: 21.12.2021

Vor drei Tagen erhielt ich per e-mail die Nachricht, dass mein Pass zur Abholung bereit liege.

Das ging schnell. Heute habe ich ihn im POST BOXES ETC. auf der Bundesallee eingesammelt. Mein Führerschein galt hier als Ausweisdokument, da der Herr unbedingt einen Ausweis sehen wollte, ich ihm erklärte, der sei in seiner Hand, nämlich in der Versandtüte die er hervorgezaubert hat. Da bin ich mal froh, dass ich einen Führerschein besitze. Hat sich das alles gelohnt? Zumindest die Erfahrung ist es Wert!


By SuWe

Seit 2012 gibt es dieses Blog, erst als Reiseblog, nun sind andere Themen dazugekommen. Alles, was ich hier publiziere entspricht einzig und allein meiner Meinung. Kommentare sind erwünscht. Diese erscheinen zeitverzögert, da sie durch den Admin (myself) genehmigt werden müssen. Gefiltert wird nur Spam! [suwe]

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