Als Europäer Auto fahren in Guatemala-eine gute Idee?

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Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich mir eigentlich nicht sicher, wie das Fazit am Ende dieses Blog-Eintrages sein wird.

Vorab, wir sind schon viele zehntausende Meilen in verschiedenen Ländern unterwegs gewesen. Berlin, Paris, L.A, San Francisco und auch Manhattan haben wir mit dem Auto bereist. Meine persönliche Fahrpraxis beläuft sich mittlerweile auf mehr als 30 Jahre.

Da wir zum ersten Male in Guatemala sind, habe ich mir vorab diverse Blogeinträge anderer Reisenden angesehen, und in Summe die Meinung gelesen: „Lass es sein und nimm den Bus“. Allerdings las ich dort auch von Busreisen, welche in Dramen endeten, Überfälle, Diebstähle seien an der Tagsordnung. 

Andererseits gibt es auch einen Blog einer jungen (deutschen) Lehrerin (https://worldcalling4me.com) die hier lebt und selber Auto fährt und darüber sehr humorvoll berichtet.

Zwei ihrer Tips möchte ich hier wiedergeben, da diese in meinen Augen genau wiedergeben, was es heißt, in Guatemala ein Auto zu fahren.

1.) Wenn eine breite Straße keine Fahrbahnmarkierungen hat, kannst du fahren, wie du willst.

2.) Wenn eine breite Straße eine Fahrbahnmarkierung hat, kannst du fahren, wie du willst.

Das klag schon irgendwie gut und eine gewisse Sicherheit gibt so ein Auto ja schon. Also haben wir uns entschlossen, einen Mietwagen, am Besten einen kleinen SUV, zu nehmen. Und da begann auch schon das Problem. Wir hatten ganz klar mit allem zu rechnen. Unfall, verschuldeter Unfall, Diebstahl, Brand, Angriff von Eichhörnchen, also suchten wir eine Vermietungsgesellschaft, welche alles in Guatemala abdeckt. Erfahrungsgemäß ist es am günstigsten, alles über D zu buchen. Zu meiner Überraschung konnten wir sehr wohl SUVs buchen, allerdings nur mit einem Basisschutz. Das Verlustrisiko und auch die Haftpflicht sollten wir selber tragen und das kam einfach nicht in Frage. Einen normalen PKW haben wir mit dem gewünschten Versicherungsschutz bekommen. Also haben wir diesen für 3 Wochen gebucht.

Als wir im Guatemala Stadt ankamen, sahen wir noch im Terminal einen kleinen Stand von ALAMO, an welchen ein MA stand. Volltreffer! Er brachte uns auch gleich aufs Parkdeck und nach einiger Wartezeit bekamen wir einen TOYOTA Yaris überreicht. Einen von dreien. Mehr war da nicht. Auffällig war, das der MA uns zeigte, wo sich der Wagenheber und das Ersatzrad  befinden. Darüber hinaus zeigt er uns eine Schablone, mit welcher Bagatellschäden als solche eingeschätzt werde. Das haben wir noch nie erlebt, sagte aber eine Menge aus.

Und schon ging die Reise los, Abends im Dunkeln, nach Antigua. Das war grenzwertig. Wir haben uns schlicht gleich verfahren. Und das ist in Guatemala STADT NICHT WITZIG. 

In Antigua haben wir unsere Unterkunft nicht sofort gefunden, aber die Straßen waren schon mal eine Herausforderung. Schlaglöcher, hohe Stufen, Und das nachts in einem normalen PKW.

Daher:

  1. Protip: wenn ihr im Dunkeln ankommt, und zwingend ein Auto haben wollt, schnappt euch das Auto und nehmt ein Hotel in Guatemala Stadt. Zu empfehlen ist das Hostel Tequila Sunrise. Ist in einem sicheren Viertel, billig mit leckerem Frühstück, sauber und hat einen Parkplatz im Innenhof. Und fahrt morgens entspannt los.

Am nächsten Morgen haben wir in Antigua eingekauft und sind dann gleich los Richtung Panajachel und dann nach San Pedro la Laguna. Da wir bereits aus nördlicher Richtung nach Panajachel gekommen sind, beschlossen wir, den See im Uhrzeigersinn zu umrunden. Google gab uns beide Möglichkeiten. Also los. Bis ca. 10 km vor San Pedro lief auch alles gut. Dann wurde die Straße deutlich schlechter, wurde zur Schotterpiste, dann zu einem einzigen Geröllweg und endete dann in einem Meer aus Sand. Selbst uns überholende 4×4-Jeeps hatten deutliche Probleme, hier weiter zu kommen. Interessanterweise zog eine alter amerikanischer Schoolbus hier eiskalt durch. Den nehmen wir bei Gelegenheit mal…. Also drehten wir kurz vor unserem Ziel um und machten uns entgegen dem Uhrzeigersinn um den kompletten Vulkansee LINK.

Kurz vor San Pedro la Laguna, die Zufahrt über Norden.

[Wir werden noch ein Video hochladen, dies ist aber erst etwas später möglich]

Dazu mussten wir nach einiger Zeit eine Straße nehmen, welche eher an eine Autobahn erinnert. Zweispurig in beide Richtungen. Die Geschwindigkeit der Einheimischen lag so zwischen 80 und 130km/h auf der gesamten Fahrbahnbreite. Manchmal. Oft fuhren sie auch nur mit Schrittgeschwindigkeit. Der Grund dafür lag schlicht in deren Ortskenntnissen. Es gibt Schlaglöcher, welche definitiv zu Schäden an einem normalen Fahrzeug führen. Riesen Schlaglöcher, plötzlich Schotter, schlicht fehlende Betonabschnitte und Tumuli. Ein Tumulus ist eine absichtliche Verkehrsbarriere, vergleichbar mit den Bodenschwellen in einer Schulzone in D, nur in riesengroß. Trotz extremer Vorsicht haben wir mehrfach aufgesetzt. Die Vorstellung, hier mit mehr als 10 oder 20km/h draufzufahren, ist sehr unschön. Im Gegensatz zu dt. Autobahnen gibt es immer nur eine Abfahrt, d.h. man muss die Gegenspur queren. Wenn man die Abfahrt verpasst hat, wendet man eben auf der Autobahn.

Das Ganze hatte dann doch irgendwie etwas von einem Computerspiel….irgendwie schon lustig.

In San Pedro la Laguna angekommen, zeigt sich gleich, dass das Auto hier eher ein „Klotz am Bein“ ist. Überall TukTuks und enge Straßen. Zudem ist der eine Verbindung sternförmig in alle Richtungen mit Bussen vorhanden. Hier stand unser Mietwagen 4 Tage nur rum.

Also:

  1. Protip: wenn ihr nach Antigua, Panajachel, San Pedro la Laguna wollt, nehmt den Bus, die Vorteile des Busses überwiegen bei Weitem.
Die Straße hier in San Pedro ist echt harmlos und in beide Richtungen befahrbar…
Und hier gibt es mal einen Hinweis, dass nicht für Autos zugelassen. Diese fehlen auch und du merkst es genau dann, wenn ein Wenden fast nicht mehr möglich ist.

Nach unserem Aufenthalt in San Pedro la Laguna machten wir uns auf, um in Richtung Tikal zu fahren. Die Straßen waren hier sehr unterschiedlich, aber zu bewältigen. Auffallend ist, dass diese Verbindung alternativlos einer der Hauptverkehrsrouten ist. Und das mit entsprechendem Bus- und LKW-Verkehr und das Dutzenden von Tumulis. Um es ganz einfach zu sagen, jeder fährt hier, wie er will. Und es funktioniert! Niemand beharrt hier auf sein Recht. Bei einem Stau wird überholt, vor einer Kurve erst recht, an einem Tumulus sowieso. Und das gerne in dritter Reihe. Zwischendurch Mopeds und TukTuks. Was uns aber schnell auffiel: Kaum bis keine Unfälle. Das funktioniert wirklich. Binnen kurzer Zeit waren wir Guatamalteken, zumindest vom Fahrstil her. Brav macht der Gegenverkehr Platz, wenn du überholst. Der LKW wartet etwas am Tumulus, bis du überholt hast. 120 in der 40er Zone? Kein Thema. Entgegen der Einbahnstraße? Kein Problem. In D wäre der Teufel los. Folgerichtig plant Susi, mir in den ersten Tagen in D, das Autofahren zu verbieten…denn, mir macht das tatsächlich Spaß! Zudem lädt die Strecke dazu ein, Pause zu machen, sich abseits der normalen Wege aufzuhalten..

Also:

3.Protip: Wer WIRKLICH Spaß am Auto fahren hat und sich gerne auf neue Herausforderungen einlässt und cool bleiben kann, versuche es! Es lohnt sich, Richtung Tikal mit dem Auto zu fahren

Angekündigter Tumulos, die Schilder sind nicht immer da…

Es kommen noch mehr Fotos…versprochen:)

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