Teilbelastung 15 kg


Die Entlassung nach Hause erfolgte nach 8 Tagen. An die Autofahrt nach Hause kann ich mich als nicht die bequemste erinnern. Das hereinkrabbeln war schon eine Herausforderung. Vorne sitzen ging gar nicht, da ich das Bein nicht entsprechend start anwinkeln konnte. Damit blieb die Rücksitzbank, auf welcher ich dann quer zur Fahrrichtung und damit unangeschnallt zum sitzen kam (die Beine entspannt ausgestreckt). Vielleicht habe ich mich nur besonders ungeschickt angestellt und jeder andere klettert souverän ins Auto und alles ist gut. Wir kamen heile nach Hause und ich konnte gleich meine Treppensteig-Fertigkeiten anwenden. Hier zeigte sich nun, dass ein Haus im Bungalow-Baustil zwar meistens ungemein häßlich aussieht, aber in Situationen, wie dieser hier bestimmte Vorteile bietet. Tja, Pech! Wir verfügen über eine Wohnkeller, ein Erdgeschoss, ein Obergeschoss und schlafen tun wir in den ausgebauten Spitzböden. Letztere sind über eine Raumspar-Treppe erreichbar und damit unerreichbar für mich.

Damit war klar, dass ich in den Wintergarten einziehe und schlug dort sofort mein Headquarters auf. In den kommenden Wochen nun hatte ich gut Gelegenheit meine Treppensteigkünste zu vervollkommnen. Das waren die kleinen Probleme, die mich überraschten, weil wir einfach nicht dran gedacht hatten.


Ich war zu Hause! Der Medikationsplan, der dem Arztbrief beilag hatte es auch in sich und in meiner Leichtsinnigkeit, dachte ich, dass ich die Hammerteile von Schmerzstillern (Tilidin und Novalminsulfun) doch ziemlich schnell minimieren könne. Hier war ich zu positiv in meiner Denke. Ich habe wärend der vergangenen Tage wenig Schmerzen gespürt, mit dem Halbieren der Dosis, was mein Versuch war, stellten sich sehr schnell Schmerzen ein, die ich so nicht erwartet hätte. Es fühlte sich an wie ein megamäßig starker punktueller Muskelkater und dieser war im Sitzubein-Höcker (Tuber ischiadicum) zu spüren. Wirklich so stark, dass ich mich kaum bewegen konnte. Die Region fand ich sehr überraschend und kann es mir auch nicht logisch erklären, warum gerade hier ein so krasser Schmerz auftrat. Lösung des Problem: Tablettendosis sofort wieder erhöht. Dafür aber weiterhin ein bisschen düsselig im Kopf mit einem hohen Schlafbedürfnis.

Alles in allem kam ich gut zurecht. Mit Beachtung der Teilbelastung und entsprechend vorsichtigen Bewegungen etc. konnte ich so ziemlich alles erledigen, was notwendig war. Zu Beginn musste Mike mich noch zum Arzt fahren (die Hammer-Schmerz-Medis besorgen😉), aber auch hier kam ich bald selbst zurecht. Bitte nicht nachahmen, bzw. sich bewußt sein, dass die Autoversicherung es nicht lustig findet, wenn jemand mit Teilbelastung Auto fährt. Aber die kriegen’s ja nur mit, wenn etwas passiert. Lief alles gut. Ich war echt froh über unseren kleinen Elektro-Flitzer und dass dieser keine Kupplung hat.


Zurück zum postoperativer Zustand meiner Hüfte. Die Schmerzsymptomatik habe ich erwähnt. Fäden ziehen war nicht, da selbstresorbierendes Nahtmaterial verwandt wurde. Ich versorgte die Wunde nur soweit, als dass ich täglich das Pflaster tauschte und sie nachts sogar unabgedeckt ließ. Die Heilung war gut, daran rummassieren (Narbenbehandlung) wurde nicht empfohlen. Die Hausärztin schaute mal rauf und war zufrieden.


Muskulatur: So ein Muskel atrophiert ziemlich schnell! Ich versuchte dies soweit wie möglich zu verhindern, aber richtig viel konnte ich nicht machen. Möglich war Quadricept-Training, isometrische Spannungsübungen. Ich arbeitete viel mit Over-flow (Irradiation), also Pattern aus der PNF. Das heißt der Oberkörper arbeitet dynamisch gegen gedacht Widerstände und die unteren Extremitäten spannen automatisch reaktiv an. Als Stichwort falls man den Physio fragen möchte: das sog. “Chopping” und “Lifting”. Ansonsten bin ich Fan von Übungen nach “Brunkow” und ich liebe den “Kurzen Fuß” nach Janda. Letzten unter Teilbelastung auszuführen geht wirklich nur mit optimalem Körpergefühl und ist auch eher eine abgewandelte Variante der originale Übung. “Kurzer Fuß” im Stand mit UA-Gestützen, alle anderen erwähnten Übungen ausschließlich in Rückenlage. Mein Problem war, dass ich nicht auf der Seite liegen konnte, obwohl es seitens der Ärzte freigegeben war. In meinem Fall drückte das Material, also die Enden der eingesetzten Kirschner-Drähte sehr unangenehm von innen. Selbst ein leichter Druck war kaum auszuhalten. Damit war die Seitlage definitiv unmöglich. Ein anderes Problem, welches sich auftat, war die Kleidung. Zum Glück fand ich im Schrank eine ältere Bermuda-Shorts, ca. zwei Nummern zu groß. Diese konnte ich tragen, ungefähr mit dem Gefühl, dass ich den Hosenbund über die Drahtende hängte (etwas übertrieben), aber ein iPhone in die Hosetasche gleiten zu lassen war schon wieder sehr unangenehm (nur dieser Zug von ca. 200 Gramm fußwärts).


Theoretisch hätte ich zur Physiotherapie gehen können, ein Rezept hierfür wurde angeboten. Leider war es unmöglich zeitnah Termine zu bekommen, so dass ich auf oben beschriebene Selbsttherapie zurückgriff.

Natürlich hoffe ich, dass alles gut geht, dass das Material genau dort ist, wo es hingehört, die Verlaufskontrolle Ende Juni wird darüber Aufschluss geben.


Life-Hacks:

Problematik Taubheitsgefühl am lateralen Oberschenkel. Es ist nicht nur taub, nein das Gefühl ist einfach ekelig! Die Haut brauchte aber etwas Pflege mit Lotion. Der Tipp meiner Tochter: einen Einmal-Handschuh über die cremende Hand ziehen, das lässt das Gefühl besser ertragen.

Anti-Thrombose-Spritzen: Irgendwann findet man keine Stelle mehr, die nicht unangenehm beim Einstich ist. Vor der Spritze einfach die ausgewählte Einstichstelle mit einem Eiswürfel kurz betäuben (hat mir geholfen).